« Boats4people » : Schiffsexpedition in Solidarität mit den Migrant_innen im Mittelmeer
Léonie war 38 Jahren alt. Cinie, 28. Sie sind beide im Meer vor der Küste Italiens gestorben, auf der Flucht vor dem Krieg in Libyen nach Europa. Seit Anfang des Jahrs sind mehr als 2000 Menschen wie sie im Meer auf dem Weg ins Exil umgekommen. Seit 1988 sind es mehr als 13 000 Männer, Frauen und Kinder, die an den europäischen Grenzen gestorben sind - die meisten im Mittelmeer, insbesondere im Kanal von Sizilien.
Der Kanal von Sizilien ist die Hauptdurchfahrt zwischen Afrika und Europa für Menschen, die vor den Konflikten des afrikanischen Kontinents fliehen und/oder auf der Suche nach einem besseren Leben auswandern. Seit Anfang des Jahres haben sich wegen der Ereignisse im Norden von Afrika tausende Menschen auf den Weg gemacht. Trotz der Gefährlichkeiten einer solchen Reise haben sie versucht, von den libyschen und tunesischen Küsten aus an Bord von behelfsmäßigen Booten Italien zu reichen. Die Menschen aus der Subsahara, die in Libyen lebten, waren wegen zahlreichen Verfolgungen wie in einem Schraubstock eingezwängt und hatten keine andere Wahl, als in angrenzende Länder oder mit Schiffen nach Europa zu flüchten.
Die Staaten der militärischen Koalition für die Intervention in Libyen, die Europäische Union und die NATO, welche die Verantwortung für eine Intervention in einen Bürgerkrie tragen, sind diesen Flüchtlinge nicht ein einziges Mal zur Hilfe gekommen. Kein europäischer Staat hat die Initiative ergriffen, sie aufzunehmen oder im Fall von Schiffbrüchen auf dem Meer einzugreifen. Und die Schiffbrüche haben unter dem passiven Blick der Militärschiffe und der Grenzsoldaten der Frontex-Agentur zugenommen, welche im Mittelmeer eingesetzt werden, um die illegale Einwanderung zu bekämpfen. Ein Verhalten, dass das Grundrecht auf Rettung in Seenot verletzt.
Seit mehreren Jahren üben viele Organisationen Druck auf die europäische Behörde aus, damit diese aktiv werden, um die Flüchtlinge zu retten und für ein Ende der Schiffbrüche zu sorgen. Vergeblich. Es wird klar, dass es nicht mehr genügt, Behörden zum Handeln aufzufordern. Deswegen bereiten wir, afrikanische und europäische Vereine, die empört über die Vervielfachung dieser lautlosen Drama sind, uns auf eine Expedition ins Meer vor. Das Ziel ist es, zum ersten Mal die bürgerliche Aufmerksamkeit auf Aktionen der Militärs und der Grenzstreifen zu richten. Diese Expedition, « Boat4people », wird von Rom über Sizilien, Malta und Lampedusa nach Süd-Tunesien fahren. Die Schiffe werden Journalisten, Parlamentarier, Künstler und Aktivisten aus der ganzen Welt transportieren. Die Expedition wird es ermöglichen, Beweise für die Klage gegen die Schiffe zu sammeln, die sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen. Wir wollen auch unsere Solidarität für die Seemännern und Bewohner des Mittelmeersraums zeigen, welche oft Beistand für Migrant_innen leisten und dafür kriminalisiert werden. « Boats4people », eine echte Expedition der Solidarität, wird der Ausgangspunkt für zahlreiche Aktionen sein, welche die beiden Ufer des Mittelmeers im gemeinsamen Kampf für die Respektierung der Rechte und der Freiheit vereint.
Die politischen Veränderungen in Nord-Afrika bedeuten neue Freiheit für Millionen Menschen. Diese Freiheit sollte das Recht sein Land zu verlassen beinhalten. Dieses Recht wird seit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948 von vielen internationalen Gesetzestexten anerkannt. Es ist höchste Zeit, dass das Mittelmeer ein Bereich der Solidarität wird, und dass es aufhört ein Schlachtfeld für den Krieg gegen Migrant_innen zu sein.
